Insbesondere bei jungen Menschen spielen Autos heutzutage eine untergeordnete Rolle: durch gesellschaftliche Bewegungen wie FridaysForFuture, wächst die Forderung und der Druck auf die Politik und Industrie, Mobilität nachhaltig zu gestalten. Junge Menschen wünschen sich umweltschonende Kraftfahrzeuge und Mobilitätsalternativen sowie eine gut vernetzte Infrastruktur im ÖPNV, durch die man dem Geldbeutel und der Umwelt etwas Gutes tut.

Der öffentlicher Nahverkehr nur ein Trend?

Nach Angaben des statistischen Bundesamtes nimmt die Nutzung privater Autos und Motorräder leicht ab. Gleichzeitig steigen die Fahrgastzahlen von Bus und Bahn seit Jahren kontinuierlich an und das, obwohl jeder vierte Zug im Nah-und Fernverkehr zu spät kommt oder sogar ganz ausfällt. Auffällig ist dabei, dass vor allem junge Menschen zwischen 18 und 24 immer seltener den Führerschein machen. Konkret ist der Anteil der Jugendlichen mit Fahrerlaubnis seit 2012 um ganze 10 Prozent gesunken. Der ÖPNV hingegen ist unter jungen Leuten beliebter als in jeder anderen Altersgruppe.

Landflucht

Auf dem Land aufzuwachsen bedeutet für viele vor allem eines: weite Strecken und Busse, die nur im Stundentakt fahren. Die Bahn fährt erst aus der nächstgrößeren Stadt. Der Führerschein und das eigene Auto geben jungen Menschen mehr Freiheit und bedeuten das Ende der eingeschränkten Mobilität durch schlechte oder verspätete Busverbindungen.

Dass junge Menschen immer stärker aus den ländlichen Regionen in die Städte abwandern, ist bekanntlich kein neuer Trend. Das Angebot an Arbeit, Bildung und die öffentliche Infrastruktur ist in den urbanen Räumen Deutschlands oft attraktiver für junge Menschen. Der meist gut ausgebaute städtische ÖPNV macht ein eigenes Auto hier überflüssig und ist für junge Menschen letztendlich erschwinglicher als ein Auto.

Karriere und Familienplanung – Miete statt Auto

Die Zahl junger Menschen, die bereits Geld mit einer Arbeit oder einer Berufsausbildung verdienen, sinkt seit Jahren, während sich gleichzeitig immer mehr junge Erwachsene für ein Studium entscheiden. Studieren ging jedoch noch nie mit finanzieller Unabhängigkeit einher: durch geringe Studentenlöhne und steigende Mieten bleiben viele Studenten meist länger finanziell von ihren Eltern abhängig. Da dies auch für einige Eltern eine starke finanzielle Belastung bedeutet, wird das Thema Auto gar nicht erst angesprochen.

Umweltbewusstsein

Laut einer Studie von Shell, haben 65% der unter 25-jährigen Angst vor steigender Umweltverschmutzung. Oft steht das Autofahren im Mittelpunkt der Diskussionen rund um Umweltschutz. Können Autohersteller mit umweltschonenden Fahrzeugen doch noch das Ruder herumreißen? Sind junge Menschen bereit, ihre individuelle Mobilität und Unabhängigkeit für ihre Ideale aufzugeben?

Finanzielle Situation bleibt entscheidend

Dass weniger junge Menschen einen Führerschein machen, hat aktuell überwiegend Gründe, die wenig mit Idealen wie Umweltschutz zu tun haben. Die Wahl des bevorzugten Verkehrsmittels scheint vor allem eine Frage der finanziellen Mittel zu sein, wie aus dem aktuellsten Bericht zum Thema Mobilität in Deutschland (MiD) des BMVI hervorgeht.

Wer über mehr Einkommen verfügt und sich die Unabhängigkeit vom öffentlichen Nahverkehr leisten kann, nutzt das Auto auch häufiger als Bus oder Bahn. Von Finanzierungsmodellen wie Leasing oder Nutzungskonzepten wie Car Sharing können sich Autohersteller allerdings wieder eine größere Beliebtheit des Autos in der Generation Z versprechen.

Auch in Zukunft werden junge Menschen auf preisgünstige und umweltschonende Mobilitätskonzepte setzen. Autohersteller und Mobilitätsunternehmen müssen den Zeitgeist erkennen und die Chance zur Veränderung wahrnehmen, um weiterhin wettbewerbsfähig zu bleiben und zukünftig nicht zum alten Eisen zu gehören.