Motorsportrennen begeistern regelmäßig ganze Massen. Bei großen Wettkämpfen selbst am Steuer sitzen zu können, ist für viele Menschen ein Traum. Wie sich dieser realisieren lässt und welche Kosten dabei auf Einsteiger zukommen, erklärt Motorsport-Experte und Blogger Jens Schneider.

Das rät der Experte zum Einstieg

Anders als bei vielen gängigen Sportarten, stellt der Motorsport Einsteiger vor besonders große Herausforderungen. Von der Anschaffung eines Autos, bis hin zur Ausrüstung und der richtigen Versicherung: Was Du als Einsteiger beachten und vor allem, mit welchen Kosten Du rechnen musst, erklärt Joonko im Gespräch mit Motorsport-Experte und Blogger Jens Schneider.

Motorsport-Experte und Blogger Jens Schneider

Seit vielen Jahren als Motorsport-Blogger unterwegs, weiß Jens Schneider genau worauf es in diesem Sport wirklich ankommt.

Auf seinem Blog www.racing14.de teilt er seine Leidenschaft zum Motorsport, seine Erfahrungen als Rennfahrer und sein Wissen über Rennen, Mannschaften und spannende Themen rund um die Boxengasse.

Mit welchen Kosten müssen Motorsport-Einsteiger rechnen?

Die Art der Kosten, die mit diesem Sport verbunden sind, sind vielseitig und umfangreich.

„Je nach Rennserie sind die Kosten für Einsteiger sehr unterschiedlich – grundsätzlich aber ist der Motorsport als Hobby alles andere als günstig. Es gibt ein überschaubares Angebot an Rennserien für den kleineren Geldbeutel. Auch hier handelt es sich aber um immerhin fünfstellige Beträge, die Einsteigern zur Verfügung stehen sollten.“ (J. Schneider)

Ausrüstung

Wenn Du planst, in den Rennsport einzusteigen, sollten folgende Gegenstände zu Deiner Grundausrüstung gehören:

  • Helm gemäß DMSB-Vorschriften,
  • Balaclava,
  • feuerfester Overall,
  • flammhemmende Funktions-Unterwäsche,
  • Schuhe speziell für Rennfahrer,
  • Handschuhe,
  • Nackenstützen,
  • HANS-Systeme (Head and Neck Support),
  • Trinksysteme.Die Kosten für eine Grundausstattung schätzt unser Experte Jens auf mehr als 1.500 Euro. Das Trinksystem ist hier noch nicht eingerechnet.

Beste Prüfung für den ersten Einstieg

Zum Einstieg bietet sich die Gleichmäßigkeitsprüfung Nürburgring (GLP) an. Es handelt sich dabei um eine Einstiegsserie für den Motorsport, bei der die Erzielung von gleichen Rundenzeiten im Fokus steht. Besonders praktisch: Hier können Fahrzeuge mit Straßenzulassung gefahren werden, ein Rennsportwagen ist also nicht nötig. Auch finden Markenpokale statt, das heißt Serien von Motorsportveranstaltungen, bei denen gleichartige Fahrzeuge einer Marke (zum Beispiel Ford) und Typs (zum Beispiel Fiesta) gegeneinander antreten.

Was kostet ein Markenpokal?

„Ein günstiger Markenpokal kostet bereits 15.000 Euro im Jahr. Damit müssen Einsteiger mindestens rechnen. Passieren Unfälle oder treten Schäden auf, kann diese Zahl schnell zeigen. Bei bekannteren Rennserien müssen Sportler bereits ein Jahresbudget im sechsstelligen Bereich mitbringen.“ (J. Schneider)

Nach oben hin sind den Kosten kaum Grenzen gesetzt. Wer mehr investieren möchte als der Konkurrent, hat freie Fahrt. Im professionellen Motorsport wird diesem Trend gerade entgegengewirkt. So hat zum Beispiel die Formel 1 eine bald geltende Obergrenze festgesetzt. Demnach dürfen ab 2021 nicht mehr als 175 Millionen US-Dollar ausgegeben werden. Bis dahin rüsten Ferrari, Mercedes und Konsorten deshalb noch einmal kräftig auf.

Weitere Kosten

Auch wer regelmäßig selbst Hand anlegt und routiniert am eigenen Auto bastelt, muss mit hohen Kosten rechnen.

„Viele Einsteiger basteln gerne an ihren eigenen Autos und gehen dann auch davon aus, dass sie Reparaturen und Instandhaltung im Motorsport selber leisten können. In Wahrheit funktioniert das allerdings nicht. Viele Teile verschleißen schnell und die Rennreifen, das schwarze Gold des Rennsports, werden stark in Mitleidenschaft gezogen.“ (J. Schneider)

Zu den Kosten für das Fahrzeug und die Ausstattung für den Fahrer, kommen pro Saison folgende Kosten hinzu:

  • Einschreibegebühr und Fahrzeugmeldung,
  • Teilnehmerhaftpflicht,
  • Lizenzgebühr,
  • Reparatur,
  • Motorsport-Unfallversicherung,
  • Instandhaltung,
  • Kraftstoff,
  • Reifen,
  • Transportkosten und
  • gegebenenfalls Anschaffung Transporter und Umbaukosten für Anhängerkupplung.

Sowohl die Teilnehmerhaftpflicht, als auch die Motorsport-Unfallversicherung sind zwar optional, aber ein Abschluss ist durchaus sinnvoll. Wer im Falle von Unfällen und Schäden gut abgesichert ist, hat den Kopf frei für ein erfolgreiches Rennen.

Rennwagen oder privater Pkw?

Die günstigste Variante ist, mit dem eigenen Pkw an Rennen teilzunehmen. Doch hier gibt es nur wenige Wettkämpfe, die in Frage kommen.

„Die GLP Gleichmäßigkeitsprüfung ist eine der wenigen Serien, die es gestatten, mit einem straßenzugelassenen Fahrzeug zu starten. Trotzdem sind natürlich auch hier eventuell noch Sicherheitsvorkehrungen nachzurüsten.“ (J. Schneider)

Wer auch bei anderen Rennen hinter dem Steuer sitzen will, muss nicht zwangsläufig in einen eigenen Rennwagen investieren. Gerade für Einsteiger gibt es eine gängige Alternative, wie Experte Jens verrät:

„Der Kauf eines Rennwagens ist für die meisten Menschen eine viel zu hohe finanzielle Herausforderung. Deshalb ist es üblich, für große Rennen einen Wagen zu mieten. Bei vielen Rennserien gibt es zudem die Möglichkeit, ein einziges Rennwochenende zu bestreiten, statt direkt an einer ganzen Saison teilzunehmen. Aber auch so ein Wochenendeinsatz liegt bei günstigeren Serien bereits bei 2.000 Euro. Nach oben gibt es kaum eine Grenze.“ (J. Schneider)

Wie notwendig sind spezielle Fahrsicherheitstrainings?

Reguläre Fahrsicherheitstraining sind für alle Fahrer sinnvoll, reichen allerdings für den Rennsport nicht aus.

„Je nach benötigter Rennlizenz muss ein Lizenzlehrgang absolviert werden. Fahrerlehrgänge vor dem Einstieg in den Rennsport machen immer Sinn, um ein erstes Gefühl für den Sport zu bekommen. Zusätzlich lernt man auch das korrekte Verhalten auf der Rennstrecke und unterschiedliche Flaggensignale.“ (J. Schneider)

Ein solcher Lehrgang kann bis zu 600 Euro kosten. Eine Investition, die sich lohnt. Denn wer sich für den Motorsport entscheidet, übernimmt viel Verantwortung – für sich selbst und andere. Allein die Erzielung von Höchstgeschwindigkeiten macht regelmäßige Trainingseinheiten nötig.

Weitere Herausforderungen die auf Fahrer zukommen und regelmäßig trainiert werden müssen sind:

  • Witterungsbedingungen,
  • Reifen (verändertes Verhalten je nach Profiltiefe und Witterung),
  • Wirkung von Beschleunigungs- und Fliehkräften,
  • Verhalten des Fahrzeuges (zum Beispiel in Kurven),
  • die Beschaffenheit der Rennstrecke,
  • andere Rennteilnehmer, die auf der Strecke sind,
  • Veränderungen der Ausstattung während des Rennens
    (zum Beispiel nach Reifenwechsel).

Wie gefährlich ist der Motorsport?

Der Motorsport ist heutzutage deutlich sicherer als noch vor einigen Jahrzehnten.

„Schlimme Unfälle gibt es heute deutlich seltener. Vor allem, weil sie dank verbesserter Sicherheitsvorkehrungen deutlich glimpflicher ausgehen. Die Autos, die für den Einsatz im Rennsport entwickelt wurden, sind viel besser ausgestattet und auch die Rennstrecken sind sicherer geworden.“ (J. Schneider)

Ein Restrisiko bleibt natürlich auch im Motorsport immer.

Kurz und knapp

Wer plant, im Motorsport aktiv zu werden, sollte sich mit Menschen austauschen, die in diesem Bereich bereits seit Jahren aktiv sind. Gerade was die Einschätzung der Einstiegskosten betrifft, sind die Erfahrungswerte alteingesessener Motorsportler wichtig. Fahrer, Coaches und Mechaniker sind ebenso gute Ansprechpartner wie Sponsoren oder Mitglieder von Rennteams. Auch der Rat von Motorsportexperten wie Jens Schneider, kann für Einsteiger sehr wertvoll sein.
Weitere Infos
Einsteigerinformationen vom Nürburgring www.r-c-n.com/einstieg-in-den-motorsport
Freie Fahrerplätze finden unter www.motorsportmarkt.de/fahrerplaetze/
Bildmaterial Copyright Jens Schneider, racing14.de