Hochwasserschaden am Auto – was tun?

Hochwasserschäden am Auto

Hochwasser im Fahrzeug kann weitreichende Folgen haben – bis hin zum wirtschaftlichen Totalschaden. Was Du tun kannst, wenn Dein Auto vom Hochwasser betroffen ist und wie Du es am besten schützt, erfährst Du hier bei Joonko.

Naturkatastrophen

Naturkatastrophen wie Hochwasser und Überschwemmungen passieren immer häufiger. Oft richten sie Schäden in Millionenhöhe an. Das zeigt auch ein Überblick der aus Versicherungssicht teuersten Naturkatastrophen in Deutschland der letzten Jahre:
Bei dem größten Unwetter am 12. August 2002 maßen Meteorologen mit 312 Litern Regen pro Quadratmeter die höchste Niederschlagsmenge, die jemals innerhalb von 24 Stunden in Deutschland registriert wurde. Laut dem Klima-Risiko-Index (KRI) war Deutschland im Jahr 2018 zum ersten Mal unter den drei am häufigsten von extremen Wettern betroffenen Ländern. Aufgrund der steigenden Temperaturen weltweit vermuten Klimaforscher, dass weitere Extremwetterereignisse wahrscheinlich sind. Je intensiver diese Ereignisse ausfallen, desto höher werden die Schäden sein.

Versicherungsschutz

Naturgewalten sind schwer vorhersehbar. Um uns vor Schäden (teilweise existenziellen Umfangs) zu bewahren, bieten uns Versicherungen Schutz an.

Für Fahrzeuge erfolgt dies im Rahmen der Teilkaskoversicherung, die folgende Naturgewalten abdeckt:

  • Sturm,
  • Hagel,
  • Erdbeben,
  • Erdsenkung,
  • Erdrutsch,
  • Lawinen,
  • Vulkanausbruch,
  • Überschwemmungen sowie
  • Hochwasser.

Unterschied zwischen Hochwasser und Überschwemmung

So unterscheiden sich die beiden Begriffe:

Hochwasser wird der Zustand von Gewässern genannt, bei dem ihr Wasserstand deutlich über dem Pegelstand ihres Mittelwassers liegt. Dabei wird unterschieden, woher das Wasser kommt:

  • Wasser von unten (Gezeiten) oder
  • Wasser von oben (Starkregen oder Schneeschmelze).

Das ist zum Beispiel der Fall, wenn nach einem Sturm aufgrund von Schneeschmelze oder Starkregen der Wasserspiegel in einem Fluß ansteigt und über das Ufer tritt.

Als Überschwemmung bezeichnet man dagegen einen Zustand, bei dem eine normalerweise trockenliegende Bodenfläche vollständig von Wasser bedeckt ist.

Ein Beispiel ist, wenn nach einem Starkregen die Kanalisation überläuft, das Wasser nicht mehr abfließen kann und dadurch eine Durchfahrtsstraße überschwemmt ist.

Mehr Informationen zur Entstehung von Hochwasser findest Du hier.

Teil- und Vollkaskoversicherung

Wer eine Teilkasko- oder Vollkaskoversicherung (in der die Teilkaskoversicherung enthalten ist) abgeschlossen hat, kann Schadensersatz beantragen. Einzig die Selbstbeteiligung für Teilkasko ist vom Versicherten selbst zu entrichten.

Ebenfalls kann es sein, dass durch das Hochwasser Teile wie Äste oder sogar ganze Bäume auf das Auto gespült und so Schäden verursacht werden. Diese sind ebenfalls im Rahmen der Teilkaskoversicherung mitversichert.

Erste Hilfe fürs Fahrzeug

Beim Eintritt von Wasser ins Fahrzeug ist davon auszugehen, dass dieses bereits in die Elektronik oder in andere Fahrzeugteile vorgedrungen ist. Das Risiko eines Kurzschlusses oder anderen Folgeschäden in Bauteilen wie Motor und KAT ist gegeben. Eventuell gibt es auch Wasseransammlungen, die auf den ersten Blick nicht ersichtlich sind und erst zu einem (viel) späteren Zeitpunkt Schäden verursachen.

Ist Dein Auto vom Hochwasser betroffen, rät der ADAC Folgendes:

  • das Auto gar nicht erst anlassen,
  • bei Bedarf das Auto an einen trockenen Ort schieben/schleppen,
  • die Batterie abklemmen und
  • das Auto in die nächste Werkstatt schleppen lassen.

Abschleppen, Unfall- und Pannenhilfe

Wenn Du einen Schutzbrief bei einer Versicherung oder einem Automobilclub hast, rufe die Hotline an und lass ein Service- oder Abschleppfahrzeug kommen. Der Schutzbrief übernimmt Abschlepp- oder Bergungskosten und auch Unfall- und Pannenhilfe.

Der Kundenservice wird Dir sicherlich auch helfen, die Batterie abzuklemmen und das Fahrzeug ins Trockene zu bringen. Im Anschluss werden sie Dir helfen, das Fahrzeug abzuschleppen. Am besten ist dafür ein Transporter geeignet, der das Fahrzeug anheben kann. Schließlich ist nicht gewiss, ob die Bremsen nach dem Wasserschaden noch einwandfrei funktionieren.

Der Schutzbrief umfasst in der Regel auch weitere Zusatzleistungen wie ein Ersatzauto. So bist du versorgt für die Zeit, in der Dein Fahrzeug in der Reparatur ist.

Wichtig zu wissen: Versicherer der Teilkaskoversicherung übernehmen meist nur das Abschleppen zur nächsten Werkstatt Allerdings übernehmen einige Versicherer – je nach Tarif – selbst diese Kosten nicht. Daher ist es empfehlenswert den Schaden der Versicherung sowie dem Schutzbrief-Anbieter zu melden.

Schadensmeldung bei der Versicherung

Der Schaden sollte umgehend der Versicherung gemeldet und Folgendes geklärt werden:

  • Ist der Schaden versichert?
  • Sind die Kosten für das Abschleppen versichert? (sofern kein Schutzbrief besteht)
  • Wer informiert den Abschleppdienst? (sofern kein Schutzbrief besteht)
  • Welche Werkstatt kommt in Frage? (sofern Tarif mit Werkstattbindung)

Oft sind mehrere Versicherte in einer Region betroffen, so dass die Versicherung Gutachter in der Region im Einsatz hat und vor der Reparatur vorbei schickt, um die Schäden direkt zu begutachten.

Schadensmeldung bei der Versicherung

Damit sich die Versicherung später ein Bild von dem Schaden und dem Hochwasser machen können, ist es wichtig, Fotos von der Unfallstelle zu machen. Folgendes sollte auf den Bildern erkennbar sein:

1. Standort des Fahrzeugs
2. Umgebung

  • Schäden in der Nähe (zum Beispiel andere beschädigte Fahrzeuge)
  • Spuren des Hochwassers (zum Beispiel abgespülte Äste)

3. Beschädigungen des Fahrzeuges, zum Beispiel

  • Wassereintritt
  • Wassereinlagerungen
  • Sitzbezüge
  • Fussraum
  • Fotos beim Öffnen der Türe (eventuell Dokumentation mit Filmaufnahmen)

4. Sichtbarer Wasserstand am Äußeren des Fahrzeugs.
5. Verschmutzungsgrad des Wassers (zum Beispiel Schlamm, Öl, anderen Substanzen – sofern zutreffend)

Check durch Werkstatt

Je nach Zusammensetzung des Hochwassers können die Ausprägungen der Schäden unterschiedlich sein. Zum Beispiel, wenn das Hochwasser Sand, Schlamm, Öle und Abwasser beinhaltet oder wenn in Küstennähe Salz hinzu kommt. Dies hat Einfluss auf Technik und Teile und deren Korrosion.

Wasser bis zum Stoßfänger

Hier kann man von geringeren Schäden ausgehen, da das Wasser noch nicht in
den Innenraum eingetreten ist. Trotzdem sollte das Fahrzeug fachmännisch geprüft
werden, da manche Hersteller wichtige Motorteile sehr tief angebracht haben.

Wasser über dem Türschweller

Hier ist mit mittel bis großen Schäden zu rechnen. Die Werkstatt muss Kabelbäume und weitere Teile trockenlegen und prüfen, ob sich zum Beispiel Wasser oder Schlamm im Verbrennungsluft-Ansaugtrakt befindet, um Motorschäden oder andere Folgeschäden wie Kurzschluss zu vermeiden. Ebenso ist zu prüfen, ob Wasser in Bauteilen eingelagert ist.

Wasser über der Scheibenunterkante

Hier kann man davon ausgehen, dass die Kosten zur Wiederherstellung den aktuellen Wert des Fahrzeuges überschreiten. Es wird Beschädigungen der elektrischen und elektronischen Teile und Wasser im Motor und im Getriebe geben. Man spricht hier von einem wirtschaftlichen Totalschaden.
Lass Dein Fahrzeug auf jeden Fall von einer Werkstatt fachgerecht prüfen. Ein Gutachter wird ebenfalls den Schaden bewerten und entscheiden, ob eine Reparatur noch Sinn macht (falls der Schaden umfangreicher ist).
GRAFIK HOCHWASSERSCHADEN AM AUTO
Je nach Höhe des Wassers, sind laut ADAC folgende Risiken gegeben und Schäden wahrscheinlich:
GRAFIK HOCHWASSER (Grafik: 20200303_Hochwasser_SJ.pptx, Seite 2)
Lass Dein Fahrzeug auf jeden Fall von einer Werkstatt fachgerecht prüfen. Ein Gutachter wird ebenfalls den Schaden bewerten und entscheiden, ob eine Reparatur noch Sinn macht (falls der Schaden umfangreicher ist).

Tipps für die Werkstatt

Wasser „schleicht“ und kann überall hinkommen. Zum Beispiel, wenn Wasser an einem Schlauch oder an Kabeln zu einer tiefer gelegenen Stelle läuft und sich dort sammelt. Das angesammelte Wasser kann Schäden des dort befindlichen Bauteils verursachen oder mittel- und langfristig Korrosion auslösen. Lass daher prüfen:

  • Gibt es Wassereinlagerungen in Bauteilen?
  • Ist eine Motor- oder Unterbodenwäsche sinnvoll?
  • Ist der Austausch von Gurtstrammer oder dem Gurtaufrollautomaten erforderlich? (der ADAC empfiehlt dies bereits bei geringem Hochwasser)

Außerdem solltest Du laut ADAC noch folgende Bauteile prüfen lassen:

  • Lenkgetriebe
  • Betriebs- und Feststellbremse
  • Gelenke der Antriebswellen
  • Radlager

Besonders wichtig: Lasse keine Reparaturen durchführen, bevor die Versicherung die Freigabe erteilt hat. Ansonsten könnte es passieren, dass Du die Kosten teilweise oder sogar ganz selbst tragen musst.

Tipps um Schäden zu vermeiden

Am besten ist es natürlich, das Eintreten von Schäden von Anfang an zu vermeiden.
Folgende Tipps können dabei helfen:

1. Vom Hochwasser betroffene Strecken nicht durchqueren. Besser ist es

  • zu wenden und eine andere Strecke zu benutzen,
  • das Fahrzeug abzustellen, wenn ein Wenden nicht möglich ist oder
  • zu warten bis sich die Situation verändert hat (das Wasser abgesickert ist oder ein Wenden wieder möglich ist).

2. Vom Hochwasser gefährdete Gegenden vermeiden, wenn Unwetterwarnungen ausgegeben werden. Dann lieber

  • das Fahrzeug stehen lassen und
  • öffentliche Verkehrsmittel benutzen oder
  • einen Tag Homeoffice beantragen,
  • Termine auf einen anderen Tag legen oder
  • sobald es möglich ist, wieder zurückfahren.

3. Fahrzeuge möglichst sicher abstellen, zum Beispiel

  • nicht auf Parkplätzen parken, die sich in Flußnähe befinden,
  • sofern möglich auf Hanglage und entfernt von Flüssen parken,
    (Unterführungen sind nicht immer die beste Wahl, da die Straßen darunter bei Hochwasser zu einem Sammelbecken für Wasser werden)
  • in Parkhäusern auf den oberen Etagen parken.

4. Speziell im Winter, solltest Du

  • Schneeansammlungen in der Nähe von Garagen vermeiden
    (Schmutzwasser könnte sich in Deiner Garage sammeln. Dieser Schaden wird von der Versicherung sicherlich nicht übernommen, da dieser definitiv vermeidbar gewesen wäre.)

Keine Rückstufung nach Schadenfall

Wird der Schaden über die Teilkaskoversicherung übernommen, erfolgt im Folgejahr keine Rückstufung. Lediglich die Selbstbeteiligung ist vom Versicherten zu bezahlen.

Folgen bei grob fahrlässigem Verhalten

Im Versicherungsfall wird geprüft, ob der Schaden vermeidbar gewesen wäre. Zum Beispiel durch Umfahren des Gebietes oder vorheriges Anhalten. Lenkt der Fahrer das Fahrzeug bewusst in das Hochwassergebiet, muss er mit einer Teilschuld oder schlimmstenfalls mit einer Ablehnung der Kosten durch die Versicherung rechnen.

Leistungen bei Totalschaden

Wird ein Totalschaden festgestellt, wird folgendes ausbezahlt:

Wiederbeschaffungswert zum Zeitpunkt des Unfalles
– Restwert nach Unfall
————-————-————-————-————-——
= Versicherungsleistung

Sind die Reparaturkosten höher als der Wiederbeschaffungswert abzüglich des Restwertes, wird nur die Differenz ausbezahlt. Am Beispiel:

Wiederbeschaffungswert Restwert nach Unfall Reparaturkosten
15.000 Euro 7.000 Euro 9.000 Euro

In diesem Fall würde die Versicherung 8.000 Euro ausbezahlen, da der Besitzer das Fahrzeug für 7.000 Euro verkaufen kann und mit der Leistung und dem Verkaufspreis zusammen wieder ein gleichwertiges Fahrzeug kaufen kann.

Fazit

Bei Hochwasserschäden am Fahrzeug ist es wichtig, besonders vorsichtig zu sein. Lieber einmal mehr den Automobilclub oder die Versicherung bezüglich einer Schutzbriefleistung fürs Abschleppen anrufen, als teure Folgeschäden wie einen Motorschaden bis hin zum wirtschaftlichen Totalschaden zu riskieren.

Wasser ist tückisch und kann zu Fehlfunktionen, Ausfall oder späterer Korrosion führen. Wichtig ist es daher, das Auto nach Hochwasser umfassend in der Werkstatt zu prüfen. Auch sind nach Möglichkeit Gurtsysteme und Airbags vorsichtshalber auszutauschen, um keine späteren Sicherheitsrisiken einzugehen.

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